Geschichte des Friedhofes St. Franziskus

 

Katholische Beerdigungen fanden bis zur Amtszeit von Pfarrer Wilhelm Strunck (1864-1888) auf dem Friedhof an der Silvesterkapelle auf dem Rittergut Weitmar statt.

Der lutherische Pfarrer bestattete und kassierte die Beisetzungsgebühren, sogar auch später als ein katholischer Geistlicher die Verstorbenen beerdigte. Daher bestanden die Weitmarer Katholiken auf einen eigenen Friedhof und eigene Bestattungsrechte. Sie sandten eine Bittschrift an die zuständige bischöfliche Behörde in Paderborn. Der Landwirt Theodor Dieckmann gen. Klewinghaus schenkte dem bischöflichen Stuhl ein 1 Morgen großes Grundstück bei der Franziskuskapelle. Dankend nahm die bischöfliche Verwaltung das Geschenk an und so konnte der katholische Friedhof angelegt werden.

Ebenfalls wurde der Gemeinde die Bestattung der Toten durch ihren eigenen Seelsorger genehmigt.

 

Alter Grabstein an der Silvesterkapelle

Die Nutzung dieses ersten Feldes erfolgte in den Jahren von 1863 bis 1885. Danach musste das Friedhofsgelände ständig erweitert werden. In dieser Zeit erhöhte der Kirchenvorstand erstmals die Friedhofsgebühren und setzte im Jahr 1887 eine Begräbnisordnung fest.

Begräbnisordnung von 1887

Der Friedhof wurde bald mit einer Mauer aus Ziegelsteinen umfriedet, wie sie heute noch existiert. Dies belegt eine Postkarte der „Restauration Waldschlößchen“ aus dem Jahr 1895. Die Umfriedung und das große Tor am Eingang Hasenkampstraße sind gut erkennbar. 

Quelle: Geschichtskreis Weitmar

Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der Kohleabbau hatten auch auf den Friedhof einige Auswirkungen. Über den Friedhof führte vom Bahnhof Weitmar kommend eine Bahnlinie mit begleitenden Versorgungsrohren zum Schacht II der Zeche General & Erbstollen. Die Inbetriebnahme dieser Anschlussbahn erfolgte 1876, die den „alten“ Friedhof und die Erweiterungsflächen des Bereiches „neuer“ Friedhof teilte.

Sehr lange wurden als Trauerhalle die Räumlichkeiten unter dem Chorraum der Kirche genutzt. Bei Beerdigungen konnte der „neue Friedhof“ wegen der Bahnlinie nur über die Hasenkampstraße mittels einer Unterführung erreicht werden. Auf den beiden Friedhofsbereichen gab es jeweils ein großes, steinernes Kreuz und zu Allerheiligen wurde zur Gräbersegnung zu beiden Kreuzen gegangen.

Schrägluftbild der Stadt Bochum ca. 1955

Ende der 1960er Jahre hat das Gesundheitsamt der Stadt Bochum die Pläne zum Bau einer neuen Trauerhalle indirekt initiiert, da die Räumlichkeiten unter dem Chorraum „als ohne ausreichende Belüftung in einem unhygienischen Zustand“ von den Kontrolleuren beurteilt wurden. Nach langem Planungsvorlauf erfolgte im Jahr 1973 die Fertigstellung der neuen Trauerhalle an ihrem heutigen Standort.

Trauerhalle

Im Jahr 1976 erwarb die Gemeinde für 21 300 DM das Bahngelände, welches den Friedhof querte von der Gelsenberg AG mit insgesamt 2840 m². Anschließend erfolgten umfangreiche Planierungsarbeiten im Bereich der Bahnlinie, um dadurch weitere Gräberfelder zu schaffen. Der Geländestreifen der Bahnlinie musste zur Wasser- und Hasenkampstraße hin geschlossen werden. An der Hasenkampstraße erkennt man heute noch in der Mauer, wo früher die Bahnlinie den Friedhof querte. 

Auch die Herrichtung des Hauptweges von der Kirche zum „neuen Friedhof“ erfolgte, wobei das Kreuz auf dem alten Friedhof demontiert wurde. 

Aus statischen Gründen mussten 1990 Arbeiten an dem Friedhofskreuz bei den Priestergräbern vorgenommen werden. Dabei wurde auch der Korpus am Kreuz erneuert. Unter der Skulptur des gekreuzigten Jesus befindet sich als Inschrift „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11, 25).

Kreuz an den Priestergräbern vor der Renovierung

Kreuz heute an der Priestergrabstätte

Inschrift im Sockel

In den nachfolgenden Jahren wurden die Friedhofstore erneuert und Abstellflächen gepflastert. Weitere Maßnahmen bestanden darin, das Reihengrabfeld an der Wasserstraße zu sanieren und ein Urnenreihengrabfeld einzurichten. Auch erfolgte die Neugestaltung der Wasserschöpfstellen und die Zellen für die Aufbahrung an der Trauerhalle wurden klimatisiert.

Im Jahre 2002 erfolgte endlich die Aufhebung der Beschränkung „Bestattungen dürfen nur für Gemeindemitglieder erfolgen“.

Seit dem Jahr 2005 wird der Friedhof von kircheneigenen festangestellten Friedhofsgärtnern bewirtschaftet. Ein Friedhofsgärtnermeister und je zwei Friedhofsgärtner versehen seither ihren Dienst. Dies hat sich letztendlich als ein Erfolgsmodell erwiesen. Durch die Möglichkeit friedhofseigene Grabpflegen durchzuführen, wurde es möglich auch die Genehmigung zur Ausbildung von Friedhofsgärtnern zu erhalten und inzwischen wird der dritte Auszubildende beschäftigt.

2011 erfolgte der erste Bauabschnitt zur Errichtung eines Kolumbariums auf dem Friedhofsgelände. Die gesamte Anlage des Kolumbariums wurde im Jahr 2017 mit dem dritten Bauabschnitt gemäß der Planung vollendet.

Im Jahr 2015 wurde der Innenraum der Trauerhalle komplett saniert und neugestaltet.

2019 haben die Friedhofsgärtner ein neues Feld für Urnenbeisetzungen gestaltet. Es entstand eine Anlage mit Gartenurnengräbern. Diese Anlage wird von der Kirchengemeinde dauerhaft unabhängig von den Ruhefristen gepflegt. Eine weitere Neuerung ist das Angebot von Baumbestattungen seit September 2019.

Der Friedhof lädt auch als Ort der Ruhe und Entspannung zum Verweilen und zu einem Spaziergang ein.

 

Kolumbarium

Kolumbarium

Trauerhalle

Trauerhalle von innen

Gartenurnengräber

Blick über den Friedhof