Freitag, 22.05.2020, 18:25 Uhr
Veranstalter: 2020 Coronakrise

22.05.2020: Geistliche Gedanken in besonderen Zeiten – Nr. 19

Liebe Schwestern und Brüder!

Ottfried Fischer ging 1989 in seinem Schwabinger Hinterhoftheater an den Start mit dem Solo-Programm „Schwer ist leicht was“. Es standen eine Personenwaage und er auf der sonst leeren Bühne. Und Fischers Worte trugen den Abend – die Waage stand nur stumm da. Das Publikum atmete frei und klatschte luftaufwirbelnd. Mai, war das schön.

Es ist eine ganz große Kunst, die Dinge leicht zu nehmen – leicht erscheinen zu lassen. Der isländische Kraftsportler Hafthor Björnson hob vor wenigen Tagen eine Hantel von 501 Kilogramm Gewicht zwei Sekunden lang vom Boden – neuer Weltrekord im Kreuzheben, engl: „deadlift“.

Untenstehende Frauenfigur eines unbekannten Künstlers habe ich im Landesmuseum Schleswig-Holstein vor einigen Jahren fotografiert. Studenten des Fachbereichs Restaurierung hatten Kircheneinrichtungen aus der Gegend restauriert, konserviert und ausgestellt. Strahlt sie mit dieser fruchtbaren Haarpracht nicht eine große Leichtigkeit des Seins aus? Vielleicht hieß das Mädchen, das hier Modell stand, Maria. Maria könnte für eine Person stehen, die ihr Leben aus Gottes Willen „empfängt“. Und sie macht diesen Willen zu ihrem eigenen – vielleicht - ein großes Ringen. Klar – das Leichte und Schöne heißt jeder hochwillkommen. Aber das Schwere und Hässliche? Hilft da vielleicht trainieren – wie das der isländische Kraftsportler vorbereitend tat?

„Leicht ist schwer was!“ Ottfried Fischer hat in meiner Erinnerung sein Programm mit diesem Satz beendet.

Liebe Grüße von Renate Gottschewski

Renate Gottschewski

Frauenfigur Landesmuseum Schleswig-Holstein