Entwicklung in der Architektur
Die Heimkehrer-Dankes-Kirche "Heilige Familie- Heimkehr aus Ägypten" in Bochum-Weitmar erinnert nicht nur an die Heimkehr der Familie Jesu nach ihrer Flucht in das Land Ägypten, sondern zugleich an die Rückkehr der Spätheimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Kirche wurde wurde in den Jahren 1958/59 durch die Initiative des Spätheimkehrers Pfarrvikar August Halbe errichtet. Beim Bau der Kirche legten der Gründer August Halbe und die Heimkehrer Wert darauf, dass sie in ihrem Inneren und Äußeren an die erlebte Zeit in Krieg und Gefangenschaft erinnert.
Im Folgenden möchten wir Ihnen einen groben Überblick über die Entwicklung der Kirche Hl. Familie (Heimkehrer-Dankes-Kirche) geben.
1955
Vikar August Halbe war seit dem 15. April 1950 Kaplan in der Pfarrgemeinde St. Franziskus in Bochum-Weitmar. Er war fünf Jahre kriegsgefangener Priester im Ural und ergriff aus Dank für die Rettung aus der Lagerhaft die entscheidende Initiative zur Errichtung der Kirche. Unterstützung erhielt er dabei vom Pfarrer der Pfarrei St. Franziskus Bochum-Weitmar, Adolf Ostendorf. In der Vorplanung kam Pfarrer Halbe folgender Gedanke:
“Nach dem 1. Weltkrieg hatten die deutschen Frauen zum Bau einer Friedenskirche in Frankfurt am Main aufgerufen. Es müsse jetzt – nach dem grausamen 2. Weltkrieg – eine Dankeskirche als Mahnmal errichtet werden.”
Beim Bau der Kirche legten der Gründer August Halbe und die Heimkehrer Wert darauf, dass sie in ihrem Inneren und Äußeren an die erlebte Zeit in Krieg und Gefangenschaft erinnert. Dieses Anliegen hat der Architekt, der Herner Stadtbaurat Kurt-Hubert Vieth, aufgegriffen und in der Gestaltung realisiert. In ihrem Grundriss ähnelt die Kirche einer Baracke oder Fabrikhalle. Ihre künstlerische Gestaltung thematisiert sowohl Kriegszenen als auch den Dank der Geretteten.
Der Plan zum Bau der Dankeskirche wurde 1955 der Öffentlichkeit vorgestellt und es begannen die Vorbereitungen zum Bau dieser Votiv- Kirche.
1958
Ab Januar 1956 nahm in Weitmar-Mark-Neuling ein eigener Kirchbau-Sammelverein seine Tätigkeit auf. Durch Bittbriefe, Verkauf von Bausteinen, Vorsprache bei Firmen und Hausbesuche wurde versucht, die notwendigen Gelder aufzubringen. Hinzu kamen die Spenden der dankbaren Heimkehrer und der Erlös aus der Broschüre „5 Jahre kriegsgefangener Priester im Ural“ von Pfarrer August Halbe.
Aufgrund der vielfältigen Spenden vollzogen zwei Jahre später, im März 1958, 20 Heimkehrer den ersten Spatenstich. Diese ehemaligen russischen Kriegsgefangenen zogen dazu noch einmal ihre Lagerkleidung an. Die Gesamtkirche erhielt einen starken Unterbau aus Eisenbeton und im Sommer 1958 deutete ein immer höher aufsteigendes Stahlgerüst den Baufortschritt an. Die Grundsteinlegung der Kirche erfolgte am Christkönigsfest 1958.
Da der Winter 1958/59 milde war, gingen auch die Maurerarbeiten zügig voran.
1959
Am 12. Dezember 1959 weihte Bischof Dr. Franz Hengsbach die Kirche. Sie erhielt den Namen „Heilige Familie“ und erinnert an die Heimkehr der Familie Jesu aus Ägypten. Ihr zweiter Name „Heimkehrer-Dankes-Kirche“ und ihre besondere Bauweise, ließen einen Stätte entstehen, die Ausdruck der Dankbarkeit vor Gott über die glückliche Heimkehr aus Gefangenschaften ist. Nachfolgende Generationen sollen erinnert werden:
Das Recht auf Freiheit und Menschenwürde ist nicht selbstverständlich.
Es muss stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden.
Der Herner Architekt Kurt Hubert Vieth schuf eine Hallenkirche mit flachem Satteldach als Stahlbetonskelettbau. Die Architektur soll an eine Lagerbaracke erinnern. Das Äußere wird durch rippenartige Stützen zwischen hellen Klinkerflächen geprägt. Die Portale an der Westfassade werden durch eine mittige Rippenfolge mit drei darüber liegenden Fensterbahnen betont. Auf einen Sakralbau weist nur ein kleiner kupferner Dachreiter hin, der spitz wie eine Nadel auf der linken Rippe der Portalfront sitzt.
Eng verbunden mit der Kirche sind die Heimkehrer-Danktage, die die Erinnerung an die Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft aufrecht halten sollten und - mit dem Weihetag der Kirche – ins Leben gerufen wurden. Der erste Heimkehrer-Danktag konnte mit 3.000 Teilnehmern 1960 stattfinden. Von 1960 bis 2009 fanden die Heimkehrer-Danktage alljährlich am Dreifaltigkeitssonntag statt. Im Jahr 2009 wurde der 50. Heimkehrer-Danktag gefeiert. Es war der letzte offizielle Heimkehrer-Danktag und er wurde mit ca. 450 Teilnehmern begangen.
Foto: Harald Hannes
2005
Seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz und ist seit 1. September 2009 Filialkirche der neuen Gemeinde St. Franziskus.
2026 Ausblick
Durch den Rückgang an Gläubigen in den letzten Jahrzehnten wird am 3. Oktober 2026 letztmalig ein Gottesdienst in der Kirche Hl. Familie gefeiert. Der Kirchenraum wird umgebaut und die KiTa Hl. Familie wird dort einziehen. Hierzu gibt es bereits erste Vorstellungen. Nach dem Umzug der Kita soll das Gelände um die Kirche weitgehend für Wohnbebauungen genutzt werden. Die Krypta mit Gedenkstätte und ihrem Museum bleibt erhalten. Sie soll weiterhin genutzt werden können und künftig barrierefrei zugänglich sein.
Planungen mit Bild: Markus Bürger