Impuls Nr. 169

Mut zum Hinsehen

"Fürchtet euch nicht!“ Dreimal hören wir diesen Satz im Evangelium dieses Sonntags. ‎Offenbar weiß Jesus, wie oft wir Menschen von Angst bestimmt werden. Angst, anzuecken. ‎Angst, die eigene Meinung zu sagen. Angst vor Veränderungen. Angst davor, für den ‎Glauben einzustehen.‎


Dabei geht es Jesus nicht um Mutproben oder Heldentum. Es geht um eine Haltung.‎
Woran erkennt man eigentlich einen Christen? Sicher nicht an einem Heiligenschein. Vielleicht ‎aber an einer besonderen Haltung zum Leben. An einer Gelassenheit, die aus dem Vertrauen ‎wächst, dass ich mein Leben nicht allein tragen muss. An einer Hoffnung, die auch dann nicht ‎verschwindet, wenn vieles unsicher wird. An dem Vertrauen, dass Gott mitgeht – durch helle ‎Tage und dunkle Zeiten.‎


Eine solche Haltung braucht es auch heute. Viele Menschen erleben Kirche im Wandel. ‎Gewohnte Strukturen verändern sich. So auch bei uns in Bochum, wenn wir uns weiter auf ‎den Weg zur Stadtpfarrei machen und dies mit einem Gottesdienst am 01. Juli verdeutlichen. ‎Das Programm Christlich leben, mittendrin und der Weg zur Stadtpfarrei zeigt immer wieder: ‎Nicht alles ist geklärt, nicht jede Frage beantwortet. Doch Jesus sagt: Fürchtet euch nicht. ‎Habt Vertrauen. Zeigt Haltung.‎


Haltung zeigt sich nicht nur darin, was wir glauben. Sie zeigt sich auch darin, wie wir handeln. ‎Deshalb passt es gut, dass das Bistum Essen in diesen Tagen auf 15 Jahre Präventionsarbeit ‎zurückblickt. Prävention beginnt nicht mit Formularen, Schulungen oder Schutzkonzepten. Sie ‎beginnt mit einer Haltung: Menschen wahrnehmen. Zuhören. Verantwortung übernehmen. ‎Nicht wegsehen, wenn jemand Schutz braucht.‎


Das Evangelium spricht davon, dass nichts verborgen bleibt, was nicht ans Licht kommt. Das ‎ist eine herausfordernde Botschaft. Sie erinnert uns daran, dass Christsein niemals ‎Gleichgültigkeit bedeuten kann. Wer Jesus nachfolgt, ist eingeladen hinzusehen, wo ‎Menschen verletzt werden, und dazu beizutragen, dass sie sicher, geachtet und gestärkt leben ‎können.‎
Vielleicht gehören Mut zum Glauben und Mut zum Hinsehen enger zusammen, als wir ‎manchmal denken. Beide wachsen aus derselben Quelle: dem Vertrauen darauf, dass Gott uns ‎kennt, uns trägt und uns sagt: „Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Andreas Strüder, Pastoralreferent