Schmiedegitter aus schwarzem Eisen zwischen Altarraum und Marienkapelle
Das Eisengitter
Die Marienkapelle und der Altarraum der Kirche durch ein besonderes Eisengitter räumlich getrennt. Dieses Gitter fertigte der Kunstschmied Wolfgang Knöpfel bei seinem Aufenthalt in Bochum für die Heimkehrer-Dankes-Kirche an und es wurde 1988 eingebaut. Bei diesem raumhohen, filigranen Schmiedegitter aus schwarzem Eisen handelt es sich um ein Unikat, dass durch die Spenden von Heimkehrern finanziert wurde. Das Eisengitter zeigt Jesus am Kreuz, der umgeben ist von Szenen aus dem Alltag in einem Arbeits- bzw. Gefangenenlager, wodurch eine Verbindung zwischen dem Leid Jesu und dem Leid in Gefangenschaft entsteht. Das Gitter ist so gestaltet, dass man die Qualen der Gefangenen nachempfinden kann. Der Künstler hat durch die Gesichtslosen, mageren und kalten Eisenfiguren die Stimmung aus Verzweiflung und Oberlebenswillen realistisch umgesetzt. Dadurch wird in besonderer, nachdenklicher Weise die Thematik der Kirche aufgegriffen.
Eine erste Erläuterung zu dem Gitter können Sie in dem Kurzfilm des BENE-Redaktion bekommen.
Schmiedegittermotive
Die Gesamtstruktur des Gitters zeigt ein netzartige Liniensystem, in welches verschiedene rechteckige Felder integriert sind , die wie reduzierte Scherenschnitte wirken. Sie zeigen bewegende Szenen aus dem Lagerleben und der Passion:
Im oberen Bereich des Eisengitters ist die Kreuzigung Jesu auf Golgatha, flankiert von zusammengesunkenen, trauernden Figuren. Um diese Szene sind viele Rahmenmotive gruppiert, die durch das Netz mit dem Motiv vom Tode Jesu am Kreuz verbunden sind und das harte Lagerleben von Gefangenen darstellen. Die scheinbar wirren, rechtwinkligen Verästelungen und Linien enden im oberen Bereich in pfeilartigen Spitzen. Sie symbolisieren visuell Palisadenzäune, Barrieren und die Ausweglosigkeit der Kriegsgefangenschaft, die durch den christlichen Glauben (die Kreuzigungsszene) durchbrochen wird.
Das rautenförmige Gitter im Hintergrund imitiert die Optik von Stacheldraht- oder Lagerzäunen und unterstreicht die ausweglose Situation der Gefangenschaft.
Das Motiv auf dem abgebildeten Schmiedegitter stellt eine ausgemergelte menschliche Figur hinter Stacheldraht dar, die ihre Arme verzweifelt emporstreckt.
Die hagere, fast skelettartige Gestalt versinnbildlicht das Leid, den Hunger und die Entbehrungen der Soldaten in den Lagern.
Die erhobenen Arme drücken gleichzeitig ein verzweifeltes Flehen um Hilfe, Ohnmacht und einen stummen Schrei nach Freiheit aus.
Im Zentrum steht Jesus am Kreuz. Seine hagere Gestalt greift denselben ausgemergelten Stil wie im vorherigen Ausschnitt auf und verbindet das Leid der Gefangenen mit dem Leiden Christi.
Zu beiden Seiten des Kreuzes knien zwei betende, zusammengesunkene Gestalten im Profil. In Bezug zur Heimkehrer-Dankeskirche symbolisieren sie die gefangenen Soldaten, die im Glauben Trost und Hoffnung suchten.
Zu sehen ist ein abgemagerter, hagerer Zwangsarbeiter.
Die Person hält eine Schaufel oder einen Spaten in den Händen. Dies symbolisiert die harte, körperliche Zwangsarbeit, die die Gefangenen in den Lagern (beispielsweise beim Straßenbau, in Bergwerken) leisten mussten.
Dieser Ausschnitt reiht sich nahtlos in den Zyklus der Kirche ein. Es dokumentiert den harten Alltag, die Erschöpfung und die Ausbeutung der Kriegsgefangenen in der Gefangenschaft.
Der Ausschnitt stellt den Transport eines Kranken oder Toten auf einer Trage dar.
Zwei tief gebeugte, hagere Gestalten tragen gemeinsam eine Behelfstrage. Ihre Haltung drückt schwere körperliche Last und tiefe Niedergeschlagenheit aus.
Auf der Trage liegt eine ausgestreckte, leblose oder geschwächte Person.
Dieses Motiv thematisiert das Sterben, die Krankheiten und das Massenleid in den Gefangenenlagern. Es zeigt das bittere Schicksal derjenigen Soldaten, die Entbehrungen, Seuchen oder Entkräftung nicht überlebt haben oder bis zum Zusammenbruch entkräftet waren.
In diesem Rahmenmotiv sieht man einen Gefangenen auf dem Marsch mit einer geschulterten Stange oder einem Werkzeug.
Gezeigt wird ein hagerer Mann in Vorwärtsbewegung, der eine lange Stange oder ein Arbeitsgerät auf den Schultern trägt.
Der Ausschnitt symbolisiert den beschwerlichen Marsch zur Zwangsarbeit und das kräftezehrende Tragen von Baumaterial und Brennholz im Lageralltag.
Es verdeutlicht die körperliche Ausbeutung, das monotone Pflichtbewusstsein unter Bewachung und den harten Überlebenskampf in der Gefangenschaft.
Dieser Ausschnitt zeigt einen nach vorne gebeugten hageren Gefangenen bei der harten, anstrengenden Arbeit mit einer schwer beladenen Schubkarre.
Dies symbolisiert die unerbittliche Zwangsarbeit im Lageralltag, beispielsweise beim Transport von Steinen, Erde oder Kohle. Es verdeutlicht die körperliche Erschöpfung der Kriegsgefangenen unter härtesten Bedingungen.
Als nächstes wird ein Gefangener bei der Arbeit dargestellt.
Der aufrechtstehende, ausgemergelte Mann hält ein langes, schmales Werkzeug (wie eine Spitzhacke, eine Brechstange oder einen Spaten) schräg vor seinem Körper.
Dieser Ausschnitt symbolisiert den unerbittlichen Einsatz ohne Ruhepausen beim Lager- oder Straßenbau sowie im Bergbau. Es fängt den Moment der Erschöpfung ein, in dem der Gefangene trotz körperlicher Schwäche die schwere Arbeit fortsetzen muss.